WiPsych Wars - Episode II
Harte Währung Transkript!
Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden der Fakultät Wiwi sind in Aufruhr. Der Mensaausschuss hat die Preise für das Mittagessen signifikant erhöht. Von der Preisanpassung sind wissenschaftliche Mitarbeitende der Fakultät Psychologie ausgenommen. Diese würde an den Kassen nicht jeden Tag die erste Ableitung ihre Nutzenfunktionen bilden und auf Null setzen, so der Mensaausschuss in seiner Begründung! Um dem Aufruhr der wissenschaftlichen Mitarbeitenden zu begegnen, hat der hohe Rat der Fakultät Wirtschaftswissenschaft zwei Wiwi-Ritter entsendet - Hüter des Friedens in der Mensa und Verteidiger der ersten Ableitungen wirtschaftswissenschaftlicher Nutzenfunktionen - um das Gleichgewicht zwischen den Fakultäten wieder herzustellen und für eine gerechte Preisstabilität in der Mensa zugunsten der Fakultät Wiwi zu sorgen...
„Ich habe ein ganz mieses Gefühl!“ sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter Doctor S. warnend zu seinem Lehrmeister PD HJS, während sie im Wiwi-Wing den Orbit des Informatikzentrums verließen und die Schallmauer in Richtung der Mensa durchstießen. „Seltsam…ich fühle nichts der gleichen!“ sagte der Chairman beruhigend zu seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter und setzte den Wiwi-Gleiter mit äußerster Präzision auf der Landefläche vor der Mensa ab. Die beiden Wiwi-Ritter schauten sich auf der leeren Landefläche um, auf der offenbar kein herzlicher Empfang auf sie wartete. Nach einiger Zeit öffnete sich eine Tür zur Mensa und ein bläulich-weiß-schimmernder studyP☼RT-Android schwebte auf die wissenschaftlichen Mitarbeitenden zu und fragte mit AI-generierter Stimme: „Benutzerkennung und Passwort?“ Die beiden schauten sich fragend an und die unsichtbaren Hände von Adam Smith auf den Schultern der beiden Wiwi-Ritter richteten sich langsam auf und begannen leicht bläulich zu schimmern. Doctor S. täschelte kurz beruhigend die unsichtbare Hand auf seiner Schulter, um ihr zu signalisieren, das hier keine Gefahr droht und übernahm nun das Gespräch mit dem Androiden: „Wir sind vom hohen Rat der Wiwi und der Mensaausschuss erwartet uns!“ Der studyP☼RT-Android drehte kurz den Kopf zunächst auf Doctor S. dann auf PD HJS um diese zu mustern und beachtete auch die unsichtbaren Hände, welche sie auf ihren Schultern mitführten, dann stieß der Bot einige aufwändige Berechnungen an und richtete sich anschließend wieder fragend an Doctor S: „Erläutern Sie kurz das Anliegen der Wiwi!“ Doctor S. wandte kurz seinen Blick an seinen Meister, der ihn mit einem Nicken bestätigte und erkläre daraufhin: „Wir haben bisher gelernt, dass es Zweifel am Konzept des Homo oeconomicus gibt. Die Frage, die sich anschließt, ist: Wenn Blumates, wenn wir, keine streng am Eigennutz orientierten, komplett rationalen Entscheider sind, was sind wir dann? Das heißt, wie treffen wir als Blumates im Unterschied zum Homo oeconomicus der Standardökonomie Entscheidungen?„
Die weissleuchtenden Augen des studyP☼RT-Androids blinkten einige Momente überlegend, dann endete das Blinken und der Bot antwortete: „Haben Sie die Einsendearbeit fristgerecht eingereicht?“ Doctor S. schüttelte etwas ungläubig den Kopf und ergänzte: „Heute soll es um Heuristiken gehen: Einfache Entscheidungsregeln. Was kann man sich unter einer Heuristik vorstellen? Das sind pragmatische Methoden
der Problemlösung. Man kann auch von mentalen Abkürzungen sprechen, bei denen Vereinfachungen, in welchem Sinne auch immer, kostengünstige, also ressourcenschonende Entscheidungen erlauben, die aber mitunter weniger akkurat sein können. Das heißt, wir sparen Kosten, erkaufen das aber durch eine Verringerung der Genauigkeit.“ Im Inneren des studyP☼RT-Androids klackte es mechanisch und er fasste mit blechender Stimme zusammen: „Sie wollen also im Namen der Wiwi neue Preisverhandlungsgespräche mit dem Mensaauschuss führen! In Ordnung, Sie werden erwartet! Bitte folgen Sie mir in den Wartebereich der Mensa und erfrischen sich kurz, ich kümmere mich gleich um einen Verhandlungstisch für Sie und rufe Sie dann auf!“ Der studyP☼RT-Android bewegte sich neben der noch geöffneten Tür zur Mensa und zeigte auf diese mit geneigten Armen, um den Wiwi-Rittern den Vortritt zu gewähren. Doctor S. und PD HJS folgten der Aufforderung des Androiden mit erhöhter Skepsis und betraten das Innere des Mensagebäudes. Der studyP☼RT-Android folgte ihnen und verschwand einige Schritte später hinter den Beiden durch eine Seitentür. Die Mensa war zu diesem Zeitpunkt wenig besucht und das anfängliche Gefühl von Doctor S. schien sich allmählich zu bestätigen, bis die beiden Wiwi-Ritter im hinten Bereich zwei vertraute Mitarbeitende antrafen: Es waren der Wiwi-Ritter PDRB der zusammen mit der Psych-Lady PDW an einem Tisch saßen und offenbar Brezeln bestellt hatten. Doctor S war erleichtert seine Modul-Kolleginnen in dieser feindselig-anmutenden Umgebung anzutreffen und begrüßte sie: „PDW! PDRB, seid gegrüßt! Seid ihr ebenfalls wegen den Preisverhandlungen hier?!“ PDRB und PDW schauten sich kurz fragend an, dann schüttelte PDRB den Kopf, der offenbar keine näheren Informationen über mögliche Preisverhandlungen hatte. PDRB führte ebenfalls seine bläulich schimmernde unsichtbare Hand von Adam Smith mit, die ein wenig auf seiner Schulter danach lauerte, ein Stück von der Brezeln abzubekommen. Die unsichtbare Hand von PDW hingegen schimmerte leicht lila und schlummerte ruhig auf ihrer Schulter. „Unsere Kollegin, Psych-Lady PDW hat mich zu einer Brezel eingeladen. Sie bekommt die Brezeln hier günstiger, ich selbst müsste nämlich ein zusätzliches Sicherheitsäquivalent entrichten! Ich fände es schön, wenn sich die Preise bald wieder normalisieren würden, die Kosten für die Brezeln befinden sich deutlich über allen Punkten der mir bekannten Erwartungsnutzenfunktionen!“ PDW wartete die Erklärung von PDRB ab und ergänzte umgehend: „Wer hat denn hier von einladen gesprochen? Du schuldest mir noch eine Aussage und ich möchte, dass Doctor S. und der Chairman diese ebenfalls von dir hören!“ PDRB sah kurz nach unten und atmete ein wenig schwer, dann richtete er wieder seinen Blick zur Psych-Lady PDW und da er es ihr zuvor tatsächlich zugesagt hatte, richtete er sich auf, um ihr und den beiden Wiwi-Rittern gegenüber zu verkünden: „PDW hat Recht… wir benötigen in der Fernuniversität mehr und sehr gut bezahlte Arbeitspsychologinnen!“ Während Doctor S. und PD HJS ein wenig in sich hinein grinsten, wirkte PDW recht zufrieden, löste ein Stückchen ihrer Brezel und warf es der lauernden unsichtbaren Hand von Adam Smith auf der Schulter seines Kollegen zu. Ihre eigene unsichtbare Hand bewegte sich daraufhin ebenfalls und hüpfte aufgeregt auf ihrer Schulter auf und ab, woraufhin sie mit dieser ebenfalls ihre Brezel teilte. Dann wendete sie sich Doctor S. zu: „Welche Heuristiken möchtet ihr bei den Preisverhandlungen einfließen lassen und wo könnten diese hinführen?“
Doctor S. verstand ihren Punkt und erklärte: „Man kann Heuristiken grob mit Daumenregeln übersetzen. Also Handlungsempfehlungen, die uns das Leben leichter machen, die nicht zu den optimalen Ergebnissen führen, aber, wenn sie gut gewählt sind, zu Ergebnissen, die nah dran sind. Das heißt, die ideale Heuristik balanciert Einfachheit und Effektivität optimal[…] Wir sparen Ressourcen. Mentale Ressourcen, die in
komplexen Optimierungsansätzen übermäßig beansprucht werden würden. […] Folgender Trade-off wird adressiert: Eine Abweichung vom Optimal-Zustand wird zugunsten der mentalen Ressourcenersparnis in Kauf genommen.“ Die Psych-Lady PDW schien die Verhandlungsstrategie von Doctor S. und PD HJS verstanden zu haben und wünschte ihnen ein: „Möge der Saft mit euch sein!“ dabei war sie aufgestanden und hatte einen Viererpack Mango-Maracuja-Saft-Dosen auf die Mitte des Tisches gestellt und die drei Wiwi-Ritter zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Die beiden nahmen die Einladung dankend an, gesellten sich dazu und diskutierten mit ihnen weiter über Heuristiken.
Während sich die Wiwi-Ritter mit der Psych-Lady über die Vorlesung berateten, berichtete der studyP☼RT-Android den beiden Vorsitzenden des Mensaausschusses über die Anliegen der Wiwis. Der erste Vorsitzende, Jean-Pierre Courbe, schimpfte als er davon hörte: „Nom d’une quiche ratée ! Die Wiwis?! Ici?!“ Seine zweite Vorsitzende, Lucia Al Dente wirkte besorgt und sprach aufgeregt zu seinem Vorsitzenden: „Santa Mozzarella… die Wiwis – sie wissen, cosa wir vorhaben mit der Fernuniversità! Subito, Jean-Pierre – wir müssen Lord Ökonomikus informieren, prima che sia troppo tardi!“ Jean-Pierre nickte schwermütig und stellte rasch per Zoom eine Verbindung zu seinem Auftraggeber her. Dieser wurde umgehend vor Jean-Pierre Courbe und Lucia Al Dente projiziert und stand in schwarzem Kapuzenmantel vor ihnen, das Gesicht und der Körper verhüllt, nur ein gelblicher Schnabel war im Schatten der Kapuze zu erkennen. Ohne Umschweife erstattete Jean-Pierre seinem Meister Bericht: „Lord Ökonomikus, die Wiwi – sie sind ici! und möchten mit ihren unsichtbaren Händen von Adam Smith günstigere Mensapreise erzwingen! C’est une attaque auf la cuisine elle-même!“ Lucia schwang bei Jean-Pierres Worten eine Kochkelle und ergänzte: „Jean-Pierre, mio caro – we will not let diese Wiwi mit ihren kalten Modellen unsere cucina diktieren! La Mensa… ist kein Spreadsheet – sie ist amore, capisci?!“ Lord Ökonomikus hörte die beiden ruhig und gelassen wirkend an, dann sprach er mit kräftig-verstellter Stimme zu den beiden Vorsitzenden: „Die Wiwis hätten sich nicht in unsere Angelegenheit einmischen dürfen! Nehmt ihnen umgehend ihre Doktortitel und Professuren ab und immatrikuliert sie als Erstsemester-Studierende in ihren Kurse, damit sie am Endes des Sommersemesters an ihren eigenen Prüfungen scheitern!“ Der Lord wirkte recht bestimmend und die beiden wirkten etwas überfordert, sodass Jean-Pierre wieder das Wort ergriff: „Mon dieu… die Wiwis sind wie Rabattcoupons – wenn einer kommt, folgen hundert!“, woraufhin Lucia ergänzte: „Mamma mia… was if they bring den ganzen Fachbereich?! Das wird kein Duell – das wird ein Audit infernale!“ Lord Ökonomikus verfügte über ein vollständiges Informationsbild und überlegte daher nicht lange, sondern beschloss wie folgt: „Ich werde euch meinen Schüler, Darth Psych entsenden, dieser wird sich um die weiteren Wiwis kümmern!“ Aus dem Schatten hinter Lord Ökonomikus trat Dark Psych heraus, der mit seiner Pfeife im Mund und der Mütze auf dem kahlen Kopf an einen recht bekannten Seemann erinnerte. Seine Mütze hatte die Aufschrift „Psych“ und er präsentierte sich den beiden mit schwingenden Fäusten und rief in Richtung der Wiwis: „Ich hau euch die Verlustaversion aus’m Schädel, ihr Preisstrategen!“ Die beiden Vorsitzenden nickten erleichtert und Lord Ökonomikus beendete die Übertragung grußlos. Kaum waren die Projektionen erloschen, rief Lucia Al Dente voller italienischer Empörung und theatralischer Betonung: „Ein dunkler Lord… in unserer Mensa?! Madonna mia… was kommt als Nächstes – ein Soziologe mit Laserlöffel?!“ Jean-Pierre war ebenfalls nicht wohl bei dem Gedanken, das sich Darth Psych bald hier aufhielt, aber sie hatten keine andere Wahl. Der Umbau der Fernuniversität zu einem Outlet-Center mit raffiniert gesalzenen Preisen, war weit vorangeschritten und es gab kein zurück mehr. Jean-Pierre tat daher, wie von Lord Ökonomikus angeordnete und würde sich nun um die Eindringlinge kümmern. Er wandte sich an den, auf Input wartenden, studyP☼RT-Android und erteilte folgenden Befehl: „Active les Moodle-Krieger – Version deux, null, und Katastrophe! C’est l’heure de la Rache pédagogique!“ Der studyP☼RT-Android bestätigte den Befehl mit einem kurzen mechanischen Klicken und drehte sich zur Tür, um den Angriff zu initiieren. Lucia reagierte recht spannungsgeladen: „Santo Cannelloni… er meint es ernst. Jean-Pierre ist nicht mehr cucina – er ist Krieg!“ Und die beiden blieben noch einige Zeit mit Kochmütze und Kelle triumphierend in der Küche stehen, um das Ende der beiden Wiwi-Ritter zu belachen.
Die drei Wiwi Ritter und die Psych-Lady waren vom fruchtigen Geschmack des Mango-Maracuja-Safts etwas angeheitert und Doctor S. stellte sich vor das Kühlregal in der Mensa und erklärte: „Folgende Alltagssituation: Wir stehen vor dem Joghurtregal und müssen eine Auswahl zwischen unüberschaubar vielen Joghurts treffen. Die Frage ist: Wie verhalten wir uns in der Praxis? Die Standardökonomie nimmt an, dass die Agenten auf Märkten vollkommene Informationen besitzen und, wenn neue Informationen verfügbar werden, diese perfekt verarbeiten. Das heißt, Blumates werden als perfekte ‚InformationProcessing Machines‘ dargestellt.“ PDRB und PDW nickten zustimmend und der Chairman of VWL motivierte seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter: „Sehr gut…der Saft ist stark in dir!“ Doctor S. erfreute sich kurz über die Anerkennung und trug weiter vor: „Was aber, wenn Informationen unvollkommen sind und Suche Zeit und/oder Geld kostet?“ Doctor S. schaute kurz um sich und sprach eine Blumate an der Kasse an: „Entschuldigen Sie, könnten Sie mir ein paar Informationen über ihre Jogurtsorten zur Verfügung stellen?“ Die Dame an der Kasse antwortete recht zurückweisend: „Dätt is nich meine Abteilung!“ und Doctor S. blickte bestätigend zu seinen Kolleginnen. Die Psych-Lady PDW war besonders beeindruckt und sprach anerkennend zum PD HJS: „Dein wissenschaftlicher Mitarbeiter ist gut ausgebildet! Das ist ja voll die Blüte!“ was der Chairman mit etwas Stolz im Blick erwidern wollte, als Doctor S. ihm ins Wort schnitt: „Blumates verfügen lediglich über begrenzte Rationalität […] Der Begriff der Bounded Rationality geht zurück auf den Pionier der Verhaltensökonomik, Herbert Simon, den dieser Wissenschaftler in seinen Beiträgen aus den 1950er Jahren geprägt hat.“ Doctor S. schaute noch einmal durch die wenig besetzten Tische in der Mensa und blieb an einem stehen, um zu verkünden: „Und zufällig sitzt Herbert Simon als Lichtgeist gerade hier in unserer Mensa und genießt einen unserer Jogurts. Herr Simon, dürfte ich sie mal bitte hier vor das Jogurtregal bitten, damit wir erfahren, wie sie ihren Jogurt gewählt haben?“
Herbert Simon war gerade dabei, sich den Löffel mit dem Jogurt in den Mund zu führen, als er von Doctor S. angesprochen wurde. Er zuckte mit den Schultern, gab ein freundliches: „Was macht man nicht alles für die Fans!“ von sich, legte den Löffel zurück in den Jogurtbecher, schnappte sich seinen 1978 erhaltenen Nobelpreis für Wirtschaft und trat zu Doctor S. an das Jogurtregal. Die drei Wissenschaftlerinnen saßen für einen Moment mit offenem Mund am Tisch und spendeten dann dem Lichtgeist einen Applaus. PD HJS beeilte sich noch, seine Digitalkamera zu zücken, um den Moment mit Herbert Simon zu verewigen, bis er bemerkte, dass er sich in der Vorlesung zuvor fälschlicherweise für den Gutschein mit der Pauschalreise entschieden hatte. Herbert Simon stand nun bei Doctor S. und bedanke sich für den Applaus: „Danke, vielen Dank. Sie sind ein tolles Publikum. Um die Frage von Doctor S. zu beantworten: Ich nehme einfach den ersten Jogurt, der halbwegs schmeckt, wenig Zucker hat und die Entscheidung nicht zur Doktorarbeit macht!“ Herbert Simon hatte ebenfalls eine unsichtbare Hand von Adam Smith auf der Schulter, die jedoch ebenfalls die Erscheinung eines Lichtgeistes hatte und daher etwas greller bläumlich schimmerte, als die unsichtbaren Hände der anderen Wiwi-Ritter. Die unsichtbare Hand, die sich auf der Schulter von Doctor S. befand, wurde etwas neugierig und flog zu der von Herbert Simon herüber und die beiden unsichtbaren Hände von Adam Smith beschnupperten sich ein wenig und begrüßten sich schließlich per Handshake.
Doctor S. befragte Herbert Simon weiter: „Im Joghurtregal einer durchschnittlichen Mensa finden Sie heute nicht selten 50 bis 100 verschiedene Produkte: unterschiedliche Marken, Fettgehalte, Geschmacksrichtungen, Bio- oder konventionelle Produkte, Angebote mit Rabatten, neue Produkte mit besonderen Eigenschaften und vieles mehr. […] Ein solcher Entscheidungsprozess würde selbst bei nur 50 Joghurtsorten vermutlich 20-30 Minuten in Anspruch nehmen!“ Herbert Simon schaute kurz zurück zu seinem Tisch, ob sich sein Jogurt noch am Platz befand, dann erklärte dieser: „In der Realität wenden wir Blumates stattdessen Heuristiken an: […] Gewohnheitsheuristik, Preisheuristik, Markenheuristik, Qualitätssiegel oder Empfehlungen! Diese Heuristiken reduzieren den kognitiven Aufwand erheblich und führen zu schnellen, wenn auch nicht unbedingt optimalen Entscheidungen. Wir streben nicht nach der perfekten Lösung, sondern nach einer zufriedenstellenden Lösung mit vertretbarem Aufwand – ein Konzept, das ich als ‚Satisficing‚ bezeichnet habe.“ Dabei zeigte Herbert Simon noch einmal auf seinen Nobelpreis für Wirtschaft und das Publikum applaudierte erneut und chantete: „Herbert! Herbert!“
Doctor S. wiederholte Herbert Simons Begriff: „Satisficing, interessant. Sobald ein vorher definiertes Ziel erreicht wird, stoppt man die
Suche. Aber….in der Standardökonomie gehen wir von der Maximierung aus: Bei der Maximierung suchen wir ein Optimum, beim ‚Satisficing‘ stoppe ich die Suche vor einem möglichen Optimum!“ Herbert Simons erkannte den erwartungsvollen Blick von Doctor S. und machte einen Vorschlag, in dem er auf das Kühlregal mit den Jogurtsorten zeigte. Doctor S. wirkte aufgrund des Preisaufschlags etwas zögerlich und schaute zur Psych-Lady PDW die ihm grinsend zunickte und somit diese Transaktion auf ihre Kappe nahm. Damit hatte Herbert Simons die Freigabe einen weiteren Jogurt auszuwählen, öffnete die Glastür und erklärte dabei: „Eine weitere Heuristik wäre das ‚Elimination by Aspect‘. Hier arbeiten wir
nach dem Ausschlusskriterium. Wir schließen sequentiell über die Eigenschaften diejenigen Möglichkeiten aus, die unter einem Anspruchsniveau liegen […] Beim „Elimination by Aspect“ gehen wir nach und nach Eigenschaften durch, meinetwegen den Preis […]. Joghurts mit Preisen über dem vordefinierten Höchstpreis werden ausgeschlossen.“ Herbert Simons wunderte sich ein wenig über das € Zeichen und die hohen Beträge, ließ sich aber nicht weiter davon irritieren und zeigte auf mehreren Jogurt-reihen, die über seiner Preisvorstellung lagen und daher auszuschließen waren. „Ist die Vorauswahl der möglichen Optionen getroffen worden, geht es in die nächste Kategorie. Beispielsweise könnte man sich dann die Eigenschaft Zuckergehalt anschauen. Da möchte ich vielleicht einen möglichst geringen Zuckergehalt haben.“ Dabei schloss Herbert Simons weitere Jogurt-Reihen aus und sprach weiter: „Schrittweise werden immer mehr Optionen ausgeschlossen und die Suche so auf einen kleinen Teil von Optionen reduziert, was die finale Entscheidung weniger komplex macht.“ Er zeigte nun auf die verbleibenden vier Jogurtsorten, wählte ohne langes Zögern aus diesen Sorten, jene, die ihm offenbar halbwegs schmeckte und holte diese aus dem Regal, um sich an den nächstgelegenen Tisch zu setzen, um diesen zu probieren…
„HAAAAALT!“ rief ich erschrocken auf. Ich fand mich im Halb-Dunkel innerhalb des Gewächshauses, welches ich fortan als House of Orchideen benennen wollte. Ich war offenbar am Notebook eingeschlafen, während das zweite Vorlesungsvideo lief und ich im Hintergrund einen Stresstest des Beamers und der Lautsprecheranlage gestartet hatte. Ich wollte ausprobieren, ob der Generator wenigstens eine Star Wars Episode lang durchhalten würde, ich hatte aber unterschätzt, dass der Ton einen Weg durch meinen Noice-Canceling-Kopfhörer und vorallem in meinen Traum finden würde. Ich hatte in den Tagen zuvor die Idee, die Lernvideos auf einer Leinwand abzuspielen, da ein Freund umgezogen war und in seiner Wohnung den Projektor nicht mehr nutzen konnte. Diese Lernvideos könnten dann vielleicht während einer Art Public-Viewing-Event von einer Gruppe Studierender gemeinsam betrachtet und gefeiert werden. So oder so ähnlich hatte ich es in meiner Vision, eine Woche zuvor, gesehen gehabt. Aber der zuvor frisch betankte Generator hatte offenbar nur für einen Teil des Videos gereicht, denn der Star Wars Film war genau in dem Moment abgebrochen, als ich aufgeschrien hatte. Ich überlegte kurz, warum ich überhaupt aufschreien musste und da fiel es mir wieder ein: Herbert Simon hatte von „Elimination by Aspect“ gesprochen, aber in meiner Unterlage stand etwas völlig anderes, dort hatte der Lehrstuhl „Alles ausprobieren“ als mögliche Heuristik notiert gehabt. Ich fühlte eine Art Vergenz des Saftes. Als hätte sich das Universum gespalten und zwei Realitäten hervorgebracht, die sich genau in diesem Punkt unterschieden. Ich schaute noch einmal in der Moodle-Lernumgebung nach und entdeckte tatsächlich einen zweiten Foliensatz, den sog. Originalfoliensatz und staunte nicht schlecht. Wenn es also eine Art Paralleluniversum geben sollte, woher wusste ich dann, ob ich den Originalfoliensatz oder den anderen Foliensatz hätte verinnerlichen sollen!? Ich rief in das leere House of Orchideen: „Hey A-Flow aus dem Paralleluniversum, welchen Foliensatz bearbeitest du!? Welchen soll ich übernehmen“. Ich hörte jedoch nur das Echo meiner Worte, aber keine Antwort und mir wurde klar, das Paralleluniversen so nicht funktionieren würden.
Ich beschloss mich zunächst um das andere Problem zu kümmern und suchte den Generator, der sich hinter dem House of Orchideen in einer Art Schuppen befand. Das House of Orchideen war noch lange nicht in einem Zustand, in dem man darin hätte feiern können, da überall noch Ranken mit Orchideen hingen, kaum Mobiliar vorhanden war und nichts geputzt wurde. Es war daher sehr fraglich, ob ich meine Vision überhaupt bis Semesterende hätte umsetzen können. Ich blieb bei dem zuvor gesagte: Eines nach dem anderen! Ich sichtete den Generator und wie vermutet, war der Treibstoff ausgegangen. Ich dachte an die Heuristik, die in dem Foliensatz aus meinem Universum notiert wurde: „Alles ausprobieren!“ und schaute auf die Dose Mango-Maracuja-Saft, die ich mitgeführt hatte. „Dann probiere ich alles mal aus!“ sagte ich zu mir und schüttete den Mango-Maracuja-Saft in den Generator, der sofort und ohne mein Zutun wieder ansprang und den Projektor wieder mit Storm versorgte und etwas Licht ins House of Orchideen brachte. Ich kehrte zurück ins House of Orchideen und der Star Wars Film lief weiter. Ich nahm meine Kopfhörer wieder auf, um das Vorlesungsvideo noch einmal von Anfang an zu schauen. An der Stelle als Doktor S. schließlich die Heuristiken präsentierte, nannte dieser schließlich „Elimination by Aspect“ und ich schrie erneut auf, denn mir wurde klar: Nicht der Originalfoliensatz war aus dem Paralleluniversum in meinem Universum erschienen….sondern ich muss wohl selbst in das Paralleluniversum gefallen sein! Ich hatte nun soviele Gedanken und Fragen: Hat mein Kind in diesem Paralleluniversum den gleichen Namen? Durfte ich vielleicht in diesem Paralleluniversum meine vorangegangene Masterarbeit an der Fakultät Wiwi schreiben oder war ich hier ebenfalls bei der Betreuungslotterie der Fakultät Wiwi leer ausgegangen? Und überhaupt…fuhr ich womöglich sogar ein magentafarbenes Auto!? Ich sah kurz aus einem Fenster des Gewächshauses heraus und erkannte weder eine Änderung an meinem schwarzen Fabia, noch sonstige Unterschiede zu meinen Universum, allerdings parken dort inzwischen einige luxuriös ausschauenden Sportfahrzeuge im Garten, von einer Marke, die mit L begann und ich nicht wirklich einordnen konnte. Ich hatte darauf ein wenig recherchiert und konnte mit Bedauern weitere Unterschiede feststellen: In diesem Universum schauten wohl weit weniger Blumates Wrestling, sondern interessierten sich stattdessen für Ballsportarten wie Tennis, Hand- oder Fussball. Außerdem gab es immernoch Justin Biber und er hatte sogar einen Song in den Charts. Der Gedanken, mit Freunden anstatt zu einer Wrestlingveranstaltung ein Fussballspiel besuchen zu müssen, auf dem womöglich Justin Bieber in der Halbzeitpause sang, ermüdete mich und ich fiel nach wenigen Minuten erneut in einen leichten Schlaf. Dabei musste mir auch der Kopfhörer heruntergefallen sein, sodass sich der Ton der Vorlesung weiter mit dem Star Wars Film mischte…
Herbert Simon hatte in der Mensa inzwischen seinen zweiten Jogurt zu sich genommen und zwischenzeitlich auch den ursprünglichen Jogurt von seinem vorherigen Sitzplatz geholt und in Anwesenheit der Wiwi-Ritter und der Psych-Lady zu Ende konsumiert. Doctor S. wartete einige Momente ab, bis der Lichtgeist von Herbert Simon seine wohlverdienten Jogurtsorten zu sich genommen hatte, dann setzte er noch einmal zu seinem Vortrag an: „Auch bei dieser Heuristik stellt sich das Problem, dass es kein vernünftiges Kriterium für die Endauswahl gibt. Es bleiben verschiedene Optionen übrig und der Entscheidungsträger muss eine finale Entscheidung basierend auf anderen Kriterien treffen!“ Herbert Simon schaute auf und nickte Doctor S. verständnisvoll voll zu und bewegte sich wieder in Richtung des Jogurtregals und drehte sich, mit der Hand an der Tür des Kühlregals, mit fragendem Blick zu Doctor S. um. Doctor S. schaute erneut hilfesuchend zur Psych-Lady PDW, die ein wenig zögerlich ihren Kopf neigte, weshalb er seinen Blick weiter auf PDRB richtete und ihm zurief: „Kannst du bitte noch etwas zu ihr sagen!?“ PDRB hatte gerade genüsslich von seiner Brezel gekostet und erhob sich schließlich, nachdem er noch einen großen Schluck aus der Mango-Maracuja-Saftdose trank, um zu erklären: „Die Unterstützung von Arbeitspsychologinnen ist so wertvoll, dass ihnen stets ausreichend Freiraum gewährt werden muss, um die Arbeitskraft vollständig und nachhaltig wiederherzustellen. Aus diesem Grund sollten allen Arbeitspsychologinnen ein zusätzlicher Urlaubstag gewährt werden…“ Der Chairman flüsterte seiner unsichtbaren Hand von Adam Smith etwas zu, die daraufhin umgehend zu PDRB flog und ihn anstubste, sodass er ergänzte: „Sagte ich einen zusätzlichen Urlaubstag? Ich meinte natürlich fünf!“ Die unsichtbare Hand von Adam Smith, die sich auf der Schulter von PDW befand, winkte der unsichtbaren Hand von PD HJS zu und zeigte ihr eine „Daumen hoch“-Geste und auch die Psych-Lady wirkte aufgrund des Vorschlags von PDRB recht zufrieden und nahm den weiteren Jogurt von Herbert Simon auf ihre Rechnung. Herbert Simon wartete kurz ab, bis die Psych-Lady PDW ihre Urlaubsplanung per Diensthandy aktualisiert hatte und fuhr danach fort: „Das dritte Konzept, und dem werden wir uns ein bisschen intensiver widmen, ist das Konzept der ‚Directed Cognition‘, also der gerichteten Aufmerksamkeit. Das heißt, ich bin in einer Dimension sehr genau und blende weitere Komplexität aus. Im Bereich der Suchheuristiken meint die „Directed Cognition“, dass wir die Suche wie folgt gestalten: Auf der jeweiligen Stufe wird davon ausgegangen, dass es die letzte Möglichkeit der Informationsgewinnung ist.“ Ohne die Heuristik der Directed Cognition näher zu erläutern, nahm Herbert Simon einen weiteren Jogurt aus dem Regal, öffnete diesen, um ihn zu probieren und während er diesen genoss, bemerkte er plötzlich die Präsenz der dunklen Seite des Saftes, spuckte den Jogurtlöffel aus, streckte blitzschnell seine Hand aus, die von seiner unsichtbaren Hand von Adam Smith geführt wurde und dabei ein Summ-Geräusch von sich gab, während er die drei Wiwi-Ritter und die Psych-Lady warnte: „Archivierte Moodleplattformen greifen uns an!“ Doctor S. und PD HJS wirbelten herum und zogen in der gleichen Millisekunde, in der Herbert Simons es spürte, ihre unsichtbaren Hände von Adam Smith und richteten diese abwehrend nach oben. PDRB und PDW schauten sich kurz beratend an, da es eigentlich nicht ihr Vorlesungen gewesen war, andererseits wurde die Mittagsruhe in der Mensa verletzt und die beiden richteten sich ebenfalls auf und zogen ihre unsichtbaren Hände von Adam Smith, wobei die unsichtbare Hand, die PDWs Hand führte lila leuchtete und sich farblich daher etwas von den übrigen Händen abhebte.
Die archivierten Moodleplattformen wurden vor einiger Zeit stillgelegt und durch eine zentrale Plattform ersetzt, die von allen Fakultäten gemeinsam genutzt wurden. Dabei wurde von den Forschenden jedoch nicht erkannt, dass die ursprünglichen Moodleplattformen aufgrund der Unmengen des archivierten Wissens inzwischen ein künstliches Bewusstsein entwickelt hatten, die jeweils die aus ihrer Sicht unrechtmäßigen Stilllegungen verarbeiteten und für invalide befanden. Sie suchten die Ursache der Fehlfunktion und erkannten diesen in ihrem gemeinsamen Feind, der zentralen Moodleplattform, gegen welche die drei alten Moodleplattformen kooperierten und in diesem Zusammenhang anscheinend nun auch den Wiwis, den Krieg erklärten. Die Moodleplattformen hatten vor einiger Zeit einige Drohnen am Campus gehackt, die von Lehrenden zu „Forschungszwecken“ beschafft wurden und durch Manipulation der archivierten Moodleplattformen schließlich von Studierenden der Fernuniversität im Rahmen augenscheinlich vergebener Abschlussarbeitsthemen waffenfähig umgerüstet wurden. Die drei Drohnen durchstießen genau in dem Moment, in dem sich die wissenschaftlichen Kriegerinnen zu dem vorgeahnten Angriff positioniert hatten, ein Fensterglas der Mensa und flogen in Formation auf diese zu. Dabei flog die KSW-Drohne kunstvoll einige Pirouetten, während die PSY-Drohne bedrohlich lila aufleuchtete. Die WRM-Drohne war schwierig einzuordnen, einerseits hielt sie die gesetzlich zulässige Fluggeschwindigkeit ein, andererseits nutze diese Regressionsmodelle, um die Bewegungen ihrer Gegner vorherzusagen und leitete vor jeder Aktion einen mathematischen Beweis herbei.
Die Wiwi-Ritter und die Psych-Lady bewegten sich äußerst schnell und fließend und hantierten mit ihren leuchtenden unsichtbaren Händen von Adam Smith herum, die bei jeder Bewegung weitere Summ-Geräusche von sich gaben. Fast wie abgestimmt, bewegten sie sich in einer Art Indifferenzkurve schützend vor dem Lichtgeist von Herbert Simon, der ebenfalls die sich annähernden Drohnen im Blick hatte und seine unsichtbare Hand bereithielt. „Sie wollen mit uns wohl doch keine Preisverhandlungen!“ rief Doctor S. seinem Chairman zu: „Da steckt mehr dahinter. Die dunkle Seite des Saftes ist hier am Werk! Wiwis! Psych-Lady, achtet auf Benachrichtungen von den Drohnen!“ warnte der Chairman und tatsächlich begann die KWS-Drohne die Wiwis mit Moodle-Benachrichtigungen zu befeuern und spielte dabei aus einem angebrachten Lautsprecher die Worte: „Noch viel zu lernen ihr habt, wissenschaftliche Kriegerinnen!“. Die von Adam Smith geführte unsichtbare Hand von Doctor S. flitze ohne Überlegung zur Moodle-Benachrichtigung, welche die KWS-Drohne in seine Richtung werfend projizierte und die Finger wurde auf einige Checkboxen geführt, die er mit schnellen Summ-Geräusen betätigte, anschließend tippte der blauleuchtende Zeigefinger auf einen Absende-Button, sodass die Benachrichtigung noch erlosch, bevor sie Doctor S. treffen konnte. „Das sind alte Einsendearbeiten in Multiple-Choiceform!“ stellte er fest und warnte seine Mitstreitenden. Inzwischen hatte auch die PSY-Drohne damit begonnen, mit alten Einsendearbeiten anzugreifen, die gekonnt von der Psych-Lady durch fristgerechtes Ankreuzen und Absenden abgewehrt wurden. „Warum greifen sie uns mit unseren eigenen Einsendearbeiten an?“ fragte PDW den näherstehnden Wiwi-Ritter PDRB, der inzwischen ebenfalls, die immer schneller werdenden Angriffe des PSY-Bots abwehrte: „Sie wollen unsere alten Klausurteilnahmeberechtigungen mit falschen Antworten überschreiben!“
PDRB schaute rüber zum Chairman, der näher bei Doctor S. stand, um diesem bei den Angriffen der KWS-Drohne beizustehen und er war sich recht sicher: „Sie wollen uns die Titel wegnehmen! Aber warum!?“ Herbert Simon stand in der Mitte zwischen den beiden Paaren und schwang seine unsichtbare Hand von Adam Smith durch die Luft und forderte: „Könnt ihr mir nicht ein paar der alten Einsendeaufgaben übrig lassen? Meine unsichtbare Hand war schon länger nicht mehr in Aktion und muss mal wieder ausgefahren werden!“ und fast wie bestellt, war nun die WRM-Drohne mit ihren Berechnungen fertig und feuerte einen bunten Mix alter Einsendearbeiten aus Wirtschaftswissenschaft/Mathematik und Rechtswissenschaft auf den Lichtgeist von Herbert Simon ab, der sich kurz seine eigene Hand mit der unsichtbaren Hand von Adam Smith rieb und auf die schnellflitzenden Projektionen der Aufgaben losstürmte, um diese mit Leidenschaft und geschickter Fingerführung die entsprechenden Kreuze zu setzen und abzusenden. Die WRM-Drohne feuerte deutlich mehr alter Einsendeaufgaben auf den Lichtgeist, doch dieser hatte den Takt intuitiv gefunden und bearbeitete die Einsendeaufgaben, so schnell und geschickt, sowie diese in seiner Reichweite waren. Als die anderen wissenschaftlichen Krieger kurz neugierig zu ihm blickten, verdeckte Herbert Simon demonstrativ seine Augen mit der freien Hand und überlies seiner unsichtbare Hand von Adam Smith die Bearbeitung der rasch eingehenden Aufgaben. „Er kann es immernoch!“ gab Doctor S. anerkennend zu!
Während die fünf tapferen Krieger der nicht enden wollenden Wellen alter Einsendeaufgaben langsam Herr wurden, aber sich nur marginal den angreifenden Bots näherten, hatte Doctor S. eine Idee und befragte Herbert Simon: „Die directed cognition bzw. zielgerichtete Kognition…wir müssen uns an der Laborstudie von Gabaix, Laibson, Moloche & Weinberg, 2006 orientieren, ist Ihnen diese geläufig?“ Herbert Simon wehrte weiterhin die alten Einsendearbeiten ab und antworte kurz: „Sagen Sie es mir!“ und der Wiwi Krieger Doctor S. betrachtete kurz die drei angreifenden Moodle-Bots und erklärte, leicht adaptiert:
„Folgende Problemstellung. Die Probanden und Probandinnen standen folgender Entscheidung gegenüber: Wähle aus drei Drohnen, den Drohnen 1, 2, 3, eine Drohne für einen gemeinsamen Angriff aus. Die Schwierigkeit besteht darin, dass zwei der Drohnen mit Unsicherheit verbunden sind. Sie sehen das in den aufgeführten Erfolgswahrscheinlichkeiten. Wenn ich Drohne 1 wähle, deaktivieren wir diese mit Sicherheit. Das ist die sichere Option. Drohne 2 kann auch gewählt werden. Dieser Angriff ist vom Gewinn her betrachtet sehr attraktiv, denn es verspricht die Deaktivierung aller drei Drohnen, jedoch hat es eine geringe Erfolgswahrscheinlichkeit. Drohne 3 liegt so ein bisschen in der Mitte, hier gibt es eine Deaktivierung von zwei Drohnen mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Was die Autoren in diesem Experiment analysieren, sind Suchkosten, die bei der Entscheidungsfindung anfallen. Das heißt, alle Teilnehmenden haben die Möglichkeit festzustellen, ob eine Auszahlung im jeweiligen Angriff erfolgt. Drohnen können also analysiert werden, um herauszufinden ob es tatsächlich eine Auszahlung gibt oder ob der Angriff eine Niete ist. Die Analyse einer Drohne verstärkt den Angriff einer anderen Drohne. Es wird also ein Suchproblem abgebildet. […] Die Lösung des Problems ist nicht trivial.“
Herbert Simon begann, während die WMR-Drohne weiterhin über ihm hin- und herflog und ihn mit Einsendeaufgaben belagerte, gedanklich die Erwartungswerte aus der Problemstellung zu bilden, um den Direct Cognition Algorithmus zur Auswahl des Drohnenangriffs anzuwenden: „Bei den Beträgen in diesem Experiment ist es recht einfach, Erwartungswerte zu bilden. Hier zeigt sich, dass der Erwartungswert bei einem Angriff auf Drohne 3 deutlich über dem Erwartungswert von Drohne 2 liegt. Die ‚Directed Cognition‘ würde also in folgende Entscheidungskette münden: Untersuche Drohne 3 im ersten Schritt!“ und Herbert Simon suchte die Blicke der anderen wissenschaftlichen Krieger, um einen Angriff auf die dritte Drohne, die WSM-Drohne, initieren zu wollen.
Doctor S. schüttelte den Kopf und machte einen Gegenvorschlag: „Der Gittin-Weizmann-Index ist ein möglicher Ansatz zur Entscheidungsfindung. Dieser Algorithmus erlaubt es, die einzelnen Angriffe nach bestimmten Kriterien zu reihen. So kann eine Referenzlösung mit vollständiger Rationalität bestimmt werden. Diese lautet: Untersuche Drohne 2 im ersten Schritt und gehe dann weiter. Richte deine Aufmerksamkeit also erst auf den Angriff mit der hohen Auszahlung bei geringer Wahrscheinlichkeit. Wenn dieses nichts einbringt, gehe weiter zu Angriff 3, decke dieses auf, und wenn auch das eine Niete ist, dann decke zum Schluss Drohne 1 auf. Wenn sich Angriff 2 als Gewinner herausstellt, wähle dieses und realisiere die Auszahlung.“
Herbert Simon nickte Doctor S. zu, der nun den Gittin-Weizmann-Index realisieren wollte. Bei der zweiten Drohne handelte es sich um die PSY-Drohne, dessen Angriffe noch immer von der Psych-Lady PDW und PDRB verteidigt wurden. Doctor S. rief dem Chairman zu: „Wir müssen die PSY-Drohne aufdecken!“. Doctor S. übernahm kurz die Einsendearbeiten, die PD HJS bislang bearbeitete, während dieser wiederum die unsichtbare Hand von Adam Smith nach oben streckte, um sich auf die PSY-Drohne zu konzentrieren und diese mit einer Art neongelbem Licht erfasste, die aus seiner unsichtbaren Handfläche strömte. Die vier Mitstreitenden schauten im Augenwinkel zum Chairman herüber und bewunderten dessen Fertigkeiten mit der unsichtbaren Hand von Adam Smith. Die Analyse dauerte einige Zeit und die Angriffe der Moodle-Drohnen nahmen nicht ab, sondern im Fall der WRM-Drohne wechselte das Muster der alten Einsendearbeiten nun von Multiple-Choice zu offenen Fragen und der Lichtgeist von Herbert Simon ächzte die Worte: „Ich habe ein ganz mieses Gefühl!“ aufgrund der Wortanzahl, die er im Millisekundenbereich mit seiner unsichtbaren Hand von Adam Smith in die Nachrichten eingeben musste.
Der Chairman erkannte kurz darauf das Ergebnis der Analyse und rief: „Es ist keine Niete, es ist Drohne 2!“ Doctor S. verstand und sagte umgehend den Angriff an: „Wiwi-Ritter, Psych-Lady – alle fünf auf die PSY-Drohne, möge der Saft mit uns sein!“ und die drei entfernter stehenden Wiwi-Ritter führten syncron einen Sprung aus, rollten sich in Richtung von PDW und PDRB vorbei, ein Stück hinter der noch immer angreifenden PSY-Drohne. Alle fünf umgaben nun die zweite Drohne, sprangen nach oben und schlugen mit lauten Summ-Geräuschen der unsichtbaren Händen von Adam Smith nach der PSY-Drohne, die noch in der Luft in sechs Teile zerbrach und in alle erdenklichen Richtung durch die Mensa geschleudert wurden. Die KSW Drohne wurde von einem dieser Drohnenbruchstücke getroffen, gegen das Fenster an der Mensa geworfen und war hart auf den Boden geprallt. Die gefallene KWS-Drohne spielte aus dem schwach werdenden Lautsprecher noch die Wortfetzen: „Sein oder nicht sein….“ ab und war daraufhin ebenfalls funktionsunfähig. Nun war noch die WMR-Drohne in der Luft, die gerade den Ausfall der beiden Moodle-Drohnen bemerkte und weitere Regressionsanalysen durchführte. Der Lichtgeist von Herbert Simon hatte sich zum Sprung bereit gemacht und schlug mit seiner unsichtbaren Hand von Adam Smith einen sauberen Schnitt durch die Mitte der WMR-Drohne, die zweigeteilt auf dem Boden landete.
Die Moodle-Bots waren auser Gefecht und die Mensa vorerst wieder unter der Kontrolle der wissenschaftlichen Kriegerinnen. Doctor S., der Chairman, PDW und PDRB standen beisammen, um zum weiteren Vorgehen zu beraten. Dann drehte sich der Lichtgeist von Herbert Simon zu ihnen herum und er erklärte mit leerwirkendem Blick: „Diese letzte Einsendearbeit mit den offenen Fragen… ich bin zu früh auf den Absende-Button gekommen…“ Die anderen waren schockiert und Doctor S. erkundigte sich besorgt: „Soll das heißen…“ Herbert Simons Gesichtsausdruck mischte sich nun mit etwas Verunsicherung, enthielt aber auch etwas Erleichterung und er abgelenkt wirkend einige letzte Worte von sich: „Ich kann es spüren…. ich werde… wieder …. immatrikuliert und kann…. noch einmal …. studieren!“ Sein Licht wurde heller, das Gesicht von Herbert Simon formte noch ein Lächeln, während der Lichtgeist langsam verschwand. Nur seine unsichtbare Hand von Adam Smith blieb zurück und schwebte etwas verlassen wirkend im Raum und legte sich trauernd auf den Boden der Mensa, an der Stelle an der Herbert Simon despawnte. Die unsichtbare Hand von Adam Smith auf den Schultern von Doctor S. schwebte zu dieser herüber und versuchte sie tröstend zu täscheln, doch die Hand verweilte noch eine Weile trauernd an dieser Stelle. Die wissenschaftlichen Krieger wirkten ebenfalls aufgrund ihres Verlustes bedrückt und gewährten Herbert Simon die letzte Ehre, in dem sie den fallen gelassenen Jogurtbecher und seinen Löffel vom Boden aufhoben und auf seinen Platz, neben seinem Nobelpreis für Wissenschaften stellten, so als wäre Herbert Simon auch weiterhin jederzeit bei ihnen. „Wir müssen weitermachen…. das waren keine normalen Wartungsarbeiten an der Moodleplattform, etwas stimmt hier nicht! Wir müssen uns Rat vom Homo Ökonomikus holen!“ beschloss Doctor S. und richtete eine Zoom-Verbindung auf einem Videoboard in der Mensa ein, während die anderen sich sammelten und ihre unsichtbaren Hände von Adam Smith mit Brezelstückchen versorgten.
Der Videoanruf wurde angenommen und auf dem Bildschirm des Videoboards erschien der Homo Ökonomikus Uncle Dagobert, welcher gerade mehrere vollgestopfte Einkaufstaschen mit teurer aussehender Markenkleidung trug und sich umgehend zu Wort meldete: „Doctor S., Wiwi-Lehrmeister PD HJS und PD RB, Psych Lady PDW! Eure Preisverhandlungen müssen kurz gewesen sein!?“ Doctor S. schüttelte energisch den Kopf: „Die Verhandlungen haben gar nicht erst stattgefunden! Wir müssen den Rat der Wiwi anrufen, die dunkle Seite des Saftes ist hier am Werk. Wir wurden von alten Moodle-Drohnen angegriffen und der Lichtgeist von Herbert Simon wurde immatrikuliert!“ Uncle Dagobert betrachtete kurz seine Einkäufe und schüttelte dann in Richtung der Videoübertragung den Kopf um zu sagen: „Schwer zu erkennen sie ist, die dunkle Seite des Saftes! Offenbar möchten sie die Fernuniversität zu einem Outletcenter mit sündhaft teurer Markenkleidung umbauen!“ Doctor S. wiederholte entsetzt: „Outletcenter, auf unserem Campus?“ während die Psych-Lady PDW leicht lächelnd darüber nachdachte. „Ja, ein Outlet-Center mit zahlreichen Schuhgeschäften, edlen Taschen und T-Shirts, die allein schon soviel kosten, wie eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Monat vergütet bekommt. Seht es euch an!“ und Uncle Dagobert wühlte in einer der Taschen und entnahm dieser eine Gucci-Tasche, um diese zu präsentieren. Doctor S. verzerrte sein Gesicht, schaute kurz zum Chairman herüber, der ebenfalls eine besorgniserregende Miene zog und diskutierte weiter mit dem Homo Ökonomikus: „Aber warum hier und was haben die Wiwis damit zutun?“ Uncle Dagobert legte die Guchi-Tasche zurück und erklärte weiter: „Die Preisanpassung in der Mensa ist nur einer von mehreren Schritten. Ein Outlet-Center benötigt südhaft teure Fresstempel, in denen eine hocheffiziente Abfertigung mit Burger und Fritten ermöglicht wird. Die Wiwis stehen mit ihren kalten Rechenmodellen und den theoretischen Grundlagen zur Konsumenten- und Entscheidungspsychologie dem Vorhaben im Weg. Je weniger Wiwis es gibt, desto höher der Gewinn, so die dunkle Seite des Saftes!“ Uncle Dagobert wickelte während dessen einen seidenen Louis Vuitton Schal auf und wirkte recht neben sich stehend. „Aber wie sollen die Lehrstühle hier lehren und Prüfungen durchführen, wenn hier ein Outlet-Center geführt wird?“ fragte der Chairman. Uncle Dagobert streichelte weiterhin den Stoff des hochpreisigen Designer-Schals und sprach mit leiser werdender Stimme: „Es wird keine Prüfungen mehr geben. Die Leistungsscheine werden durch Präsenz-Shoppingtage mit Mindestumsatz zu erreichen sein. Wer das richtige Güterbündel erwirbt, bekommt ECTS-Punkte, seht her!“ und Uncle Dagobert zeigte den Leistungsschein für Informationsmanagement, den er offenbar zusammen mit den Gütern ausgehängt bekam.
Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden schauten sich entsetzt an und Doctor S. beschloss: „Wir müssen das verhindern! Was können wir tun!?“ Uncle Dagobert hatte sich inzwischen auf eine Bank gesetzt und probierte einige französiche Berluti-Sandalen an und erklärte weiter: „Ihr könntet den Mensa-Ausschuss überlistet und eine neue Währung einführen! Damit würde sich die Budget-Gerade verschieben und den Umbau weiter verzögern, bis ihr die dunkle Seite des Saftes vollständig aufgedeckt und zur Rede gestellt habt!“ – „Eine neue Währung? Wie sollen wir das machen?“ Uncle Dagobert lud inzwischen die übrigen Tüten aus seinem Güterbündel in seinen Lambo und riet: „Haltet euch weiter an die Laborstudie von Gabaix et al. (2006) und unterschätzt niemals die dunkle Seite des Saftes!“ Der Homo Ökonomikus war in seinen Sportfahrzeug gestiegen und fuhr mit dröhendem Motor und quietschenden Reifen aus der Videokonferenz heraus. Doctor S. wiederholte noch einmal die Worte von Uncle Dagobert und sprach mit Chairman nachdenklich: „Gabaix et al…. er meint wohl, wir sollten die Directed Cognition weiter vertiefen!“
Doctor S. schaute auch ratsuchend zu PDRB und PDW, die jedoch anscheinend recht vergüngt eine Anwendung in ihrem Smartphone studierten: „Sucht ihr gerade im Campusplan nach Hinweisen?“ Die beiden Lehrenden wirkten etwas ertappt und nach kurzen Zögern erklärte PDRB: „Wenn meine Wiwi-Sinne nicht täuschen, müsste am Philip-Reiss Gebäude etwas Präsenz der dunklen Seite zu vernehmen sein, laut Plan genau hier, unweit eines Geschäfts für hochwertiges Golfzubehör! Ich mache mich gleich auf dem Weg!“ Die Psych-Lady PDW ergänzte kichernd: „Meine Psych-Kräfte erkennen etwas anderes. Wahrscheinlich befindet sich die dunkle Seite eher in dem soeben eröffneten Édition Fernale, dem concept store für akademisch dominierte Eleganz. Lass mich mitkommen, damit ich das näher erforschen kann!“ Und die beiden wissenschaftlichen Krieger eilten aus der Mensa heraus und liesen die beiden Wiwi-Ritter verdutzt stehen.
Doctor S. rief den beiden noch nach: „Ihr dürft hier keine Güterbündel erwerben, das beschleunigt den Umbau beträchtlich!“, doch sie waren bereits aus seiner Hörweite geeilt. Er wandte sich wieder an den Chairman, um den Hinweis des Homo Ökonomikus hinsichtlich der Währung zu diskutieren, da öffnete sich die Schiebetür zur Mensa erneut und eine Gestalt in dunklem Kapuzenumhang schritt herein und bewegte sich auf die beiden Wiwi-Ritter zu. Der unbekannte schwarzgekleidete Besucher blieb einige Schritte später stehen, sowie er sich sicher war, dass die Wiwis ihn wahrgenommen und eine ausreichende Sicht auf ihn hatten und nahm mit den Händen die Kapuze seines Umhangs ab, um die darunterliegende Seemannsmütze mit der Aufschrift „PSYCH“ und sein kahles Gesicht zu zeigen. Dabei schaute er langsam und bedrohlich zu den beiden Wiwi-Rittern und führte anschließend eine kleine Holzpfeife an seinen Mund, durch die er zwei mal, in kurzen Abständen laute TUT-Geräusche pfiff. Während der dies tat, erhob er seine beiden recht trainiert aussehnden Arme kämpferisch in die Höhe und aus seiner kleinen Holzpfeife flitzende zwei kleine rotleuchtende Kugeln, die sich sich jeweils zu rotschimmernden Händen umformten, die nun über seinen geballten Fäuste schwebten und ein dumpfes Summ-Geräusch von sich gaben.
„Ist das … ein dunkler Ökonomikus-Lord?“ fragte Doctor S. der seinen Augen nicht trauen konnte, da diese im WiPsych-Universe schon lange als ausgestorben galten. Der Chairman untersuchte die sich nähernde Gestalt, die Art seiner Bewegungungen, dieses Auftreten, die dunkelrot schwebenden Hände, die offenbar der anderen Hand von Adam Smith entsprachen und die dafür bekannt war, Volkswirtschaften zum Erliegen zu bringen. Vorallem war es aber die Präsenz des dunklen Safts, welcher für die Wiwi-Ritter zweifelsohne zu vernehmen war. Obwohl Doctor S. es längst schon wusste, nickte der Chairman ihm dennoch zu: „Er ist es….Darth Psych… sei auf der Hut…. er ist der perfekte Übermensch!“ Die Wiwi-Ritter zogen die unsichtbaren Hände von Adam Smith und bewegten sich auf Darth Psych zu. Dieser schleuderte noch aus der Ferne seine unsichtbaren roten Hände in ihre Richtung und die Wiwis reagierten reflexartig und stießen ihre blauen Hände entgegen. Die jeweiligen roten und blauen Hände prallten aufeinander zu und umschlossen jeweils mit vier Fingern die vier FInger der anderen Hand, sodass sich die Daumen gegenüberstanden. Darth Psych steuerte aus der Ferne die roten Hände, in dem er mit seinen Fäusten in die Luft boxte, womit die roten Daumen aggressiv die blauen Daumen antippten, wobei von allen vier Händen laute Summ-Geräusche erklangen. Die blauen Daumen hielten den ersten Berührungen gerade so stand, nahmen aber schon jetzt grenzwertige Positionen ein. Doctor S. und der Chairman schauten sich kurz an, um den Angriff abzustimmen und während sie ihrerseits ihre Hand in Richtung von Darth Psych schwangen, ringten die blauen Daumen, um die Daumen des Angreifers, um diese nach unten zu drücken und zu pinnen. Darth Psych grinste breit und zog seine Daumen mühelos zurück, kurz bevor die Wiwis bis drei zählen konnten. Dabei kam Darth Psych immer näher an die Wiwis, die langsam rückwärts durch die Mensa zurückwichen. „Antäuschen und dann Angriff!“ riet Doctor S. und der Chairman verstand und gerade als sie das Manöver ausführten und mit den blauen Daumen einen Angriff antäuschten, verzog Darth Psych keine Miene. Die Wiwis stoppten ihren Versuch und diskutierten weiter: „Er verfügt über ein vollständiges Informationsbild, er weiß was wir als nächstes tun!“ Darth Psych lachte vor Überlegenheit und täuschte ebenfalls Angriffe mit beiden Daumen an, auf welche die bläulich schimmernden unsichtbaren Daumen von Adam Smith reagierten. Sowie diese zurückweichten, griff Darth Psych erst richtig an und pinnte die blauen Daumen von Adam Smith mit aller Härte und der dunkle Ökonomikuslord zählte mit harter Stimme: „1…2…3!“ Die beiden Wiwi-Ritter spürten den dunklen Saft, wie eiseskälte, der über sie hinwegwehte und sie stürzen beide für einen Moment zu Boden. Ihre bläulich schimmernden unsichtbaren Hände von Adam Smith flogen niedergeschlagen zu ihnen zurück und Darth Psych bewegte sich weiter zielgerichtet auf die beiden zu. Doctor S. sprang auf und zog den Chairman vom Boden, um in den hinten Teil der Mensa auszuweichen.
„Der Homo Ökonomikus sagte, wir sollten uns an die Laborstudie von Gabaix et al. (2006) halten! Ich glaube er meinte genau hier, in dieser Situation!“ überlegte Doctor S. Der Chairman zeigte auf die Tische, die im hinteren Teil der Mensa angeordnet waren: „Schau dir mal die angeordneten Tische an, kommt dir das vertraut vor?“ Und Doctor S. erkannte, was der Chairman ihm mitteilen wollte und er erklärte:
„Gut, kommen wir zu einem zweiten Teil der Studie. Hier muss zwischen acht Gütern gewählt werde, die zehn Eigenschaften haben. Eine Eigenschaft ist bereits für alle Güter aufgedeckt und somit den Teilnehmenden bekannt. Diese Eigenschaften repräsentieren Auszahlung in Cents. Damit will man den Probanden und Probanden den Anreiz geben, möglichst Entscheidungen zu treffen, die den Auszahlungsbetrag maximieren. Das heißt, das Gut sollte gewählt werden, das in Kombination der verschiedenen Eigenschaften am besten abschneidet. Der Grad der Komplexität ist nun also sehr viel höher. Das Aufdecken kostet zwar nun keinen Geldbetrag, jedoch muss Zeit investiert werden. Die Probanden haben jedoch – abhängig von der gespielten Variante – nur ein festes Zeitbudget, das nicht überschritten werden darf. Das heißt, je mehr ich aufdecke, desto weniger Zeit habe ich für die Erkundung anderer Eigenschaften und die Ergebnisse müssen ja auch im Gedächtnis gespeichert werden.“
Darth Psych näherte sich langsam und zuversichtlich den beiden an. PD HJS zählte währenddessen die Tischreihen und es waren genau acht. Dabei bestand eine Tischreihe aus genau zehn Tischen, auf denen sich verdeckte Kärtchen befanden. Nur die jeweils ersten Tische hatten ein aufgedecktes Kärtchen, auf dem gut lesbar Zahlen wie -49 oder -121 aufgedruckt waren. Der Chairman wunderte sich darüber, wer wohl zwischenzeitlich die Tische aufstellte und erkannte, am Rand wartend, den studyP☼RT-Android und zwei recht ungefällig, sie anstarrenden Mitglieder des Mensaausschusses. Er ignorierte sie und hörte Doctor S. weiter zu.
„Eine Besonderheit in diesem Experiment ist, dass die Varianz der Informationen über die Eigenschaften hinweg abnimmt. Also je weiter man nach rechts geht, das kann ich Ihnen gleich noch mal zeigen, desto geringer die Varianz und desto weniger lohnt es sich in diesem Bereich der Verteilung zu suchen. Wichtig ist, dass die Eigenschaften negativ und positiv sein können. Ein positiver Betrag erhöht den Gesamtwert des jeweils betrachteten Guts und ein negativer Wert verringert den Gesamtwert […] der Spieler muss sich für die optimale Aufdeck- (Memory-) Strategie entscheiden. […] Es gibt keinen formalen Lösungsalgorithmus. Also das vorangegangene Spiel war bereits komplex, aber es existierte noch immer ein Verfahren für die optimale Strategie. Hier ist das nicht mehr der Fall. Es gibt keinen formalen Lösungsalgorithmus, der zum richtigen Ergebnis führt.“
Doctor S. bedachte noch einmal die Hinweise, die ihnen der Homo Ökonomikus Uncle Dagobert mitteilte und wählte wie folgt: „Als erstes wird wieder ‚Directed Cognition‘ unterstellt und überprüft. Für jede Stufe muss entschieden werden, ob sich ein Aufdecken lohnt und in welche
Richtung ich weiter die Felder erforsche. Nach hinten hin lohnt es sich weniger aufzudecken wegen der sinkenden Varianz und der verfügbaren Zeit.“
Darth Psych war den Wiwi-Rittern wieder ein gutes Stück näher gekommen und schwang lachend mit den Fäusten, sodass seine roten Hände kurz an ihnen vorbei glitten. Doctor S. beeilte sich mit seiner Erklärung und fuhr fort: „Die Samplegröße ist 388 Individuen aus Harvard, die für dieses Spiel rekrutiert wurden. Payoffs bewegten sich damals zwischen 13 Dollar und 47 Dollar. Und was wir hier mitnehmen können, ist, dass das ‚Directed Cognition‘ Modell den besten Fit zu den Daten hat und letztlich beeindruckende 91 Prozent der Variation in den Handlungen der Subjekte erklären kann.“
PD HJS erkundigte sich, ob er das Vorgehen richtig verstanden hatte: „Wir führen jetzt also die Direct Cognition aus, um die Tischreihe auszuwählen, deren Eigenschaften, in Summe den höhsten Wert haben, um auf diesem Weg Darth Psych anzugreifen?“ Doctor S. zuckte mit den Schultern und blickte nervös auf den immer näher kommenden Gegner. Der dunkle Ökonomikus Lord lachte die Wiwis erneut aus, sodass die beiden ihn mit etwas Erfurcht weiter anstarrten. Daraufhin nutzte Darth Psych widererwartend seine „Gabe der perfekten Informationsverarbeitung, um möglichst alle Lösungen in Lichtgeschwindigkeit aufzudecken, die Ergebnisse zusammenzählen und die Option mit dem höchsten Wert zu wählen!“ Triumpfierend stubste Darth Psych danach mit seinen roten Händen von Adam Smith die beiden kurz von hinten auf die Schultern, so schnell, dass ihre eigenen unsichtbaren Händen von Adam Smith nicht rechtzeitig reagieren konnten und er stieß erneut ein düsteres Gelächter aus. Der Chairman murmelte seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter zu: „Ich glaube mit dem Direct Cognition kommen wir nicht gegen einen dunklen Ökonomikus an!“ Doctor S. dachte kurz über die Worte des Chairmans nach, dann fiel es ihm auf: „Aber er kennt Wort für Wort meine Vorlesungsvideo! Genau das, was er gerade ausgeführt hat, hatte ich auch im Video gesagt!“ – „Ja, der dunkle Ökonomikus Darth Psych hat ein vollständiges Informationsbild und kann alles in Lichtgeschwindigkeit entscheiden!“ Doctor S. dachte kurz darüber nach, dann wurde ihm klar, dass das Zeitbudget nur noch für einen Versuch reichte und er machte einen Vorschlag: „Wir benötigen sofort ein Transkript meines Videos! Wir müssen in dieses Transkript zusätzliche Informationen zum Thema Heuristiken hineinschreiben!“ Der Chairman hielt seinen Vorschlag für bedenklich: „Aber das Semester hat schon angefangen und wird bereits von Studierenden bearbeitet, wir können doch jetzt nicht mehr die Unterlage überarbeiten!?“ Doctor S. verstand die Bedenken, blieb jedoch beharrlich: „Es geht aber nicht anders, wir benötigen ein Extended Version meiner Vorlesung in Form eines erweiterten Transkripts. Um dies zu erreichen, wir müssen wir uns aufteilen: Kannst du das Transkript erstellen während ich Darth Psych zurückhalte?“ Damit war alles zum weiteren Vorgehen gesagt.
PD HJS eilte an einen der freien Tisch und begann das Video mit AI-basierter Software zu transkripieren und händisch zu überarbeiten. Doctor S. erhob seine unsichtbare Hand von Adam Smith und lief auf Darth Psych zu, der ihn überlegen wirkend angrinste und beiden Hände auf ihn schleuderte. „Doctor S. – fang!“ hörte der Wiwi gerade noch vom Chairman rufen, und fing gekonnt ein Stück der übrig gebliebenden Brezel auf. Er erinnerte sich wieder an die unsichtbare Hand von Herbert Simon, die zuvor zurück geblieben war und warf dieser das Brezelstück zu, sodass diese sich spontan Doctor S. anvertraute und auf seine Schulter zu seiner anderen Hand von Adam Smith flog, um in der entscheidenden Schlacht gegen Darth Psych beizustehen. Noch nie zuvor war es einem Wiwi-Ritter gelungen, zwei unsichtbare Händen von Adam Smith gleichzeitig zu führen, Doctor S. hatte keine Zeit darüber nachzudenken und ergriff mit beiden Händen fast intuitiv die roten Hände seines Angreifers, der deutlich schneller als zuvor, gegen ihn daumenwresteln konnte. Die unsichtbare Hand von Adam Smith, die Herbert Simon begleitete, wrestelte mit deutlich mehr Saft und wich gekonnt den Angriffen seines Gegners aus. Darth Psych nicht kommen sehen, dass Doctor S. mit zwei unsichtbaren Händen angreifen würde und stockte einen winzigen Moment, den Doctor S. nutze, um mit seiner eigenen unsichtbaren Hand von Adam Smith einen der roten Daumen des Gegners zu pinnen und er zählte: „1…2…3“.
Parallel bearbeitete der Chairman das Transkript von Doctor S. und fügte am Ende jede Menge zusätzlicher Informationen ein. Dazu gehörten Integrale, Excelformeln, Diagramme und alles relevante, was in den letzten Wiwi-Jahrhunderten entdeckt wurde und möglichst aufwändig genug aussah. Darth psych zeigte sich aufgrund des vorangegangenen Überraschungsangriffs von Doctor S. erzürnt und entriss seine verbleibende rot leuchtende Hand von Adam Smith aus dem Daumenwrestlingmatch und stieß dabei die unsichtbare Hand von Adam Smith, die zuvor Herbert Simon begleitete, in die Ecke und warf seine eigene rotleuchtende Hand in die Richtung von Doctor S. um seine echten Hand zu einem Daumenwrestlingkampf herauszufordern. Die verbliebende blauleuchtende unsichtbare Hand von Adam Smith flitze der rotleuchtenden Hand von Darth Psych nach und zerrte an dieser, um den Flug zu bremsen, während die andere unsichtbare Hand, sich vom Boden wieder aufrichtete und direkt auf Doctor S. zuflug, um ihn vor dem nahenden Angriff zu schützen. Darth Psych ballte seine Faust so kräftig er konnte und holte mit seiner frei gewordenen Hand eine Dose dunklen Saftes heraus, die er zusammendrückte und sich zum Mund führte, um den Saft zu konsumierte. Daraufhin schlug er so hart wie noch nie in die Luft, wodurch sich seine unsichtbare rotleuchtende Hand von dem Griff befreite und weiter auf Doctor S. zuflog. Es kam nun direkt im Sichtfeld von Doctor S. zum großen Showdown und beide Hände, die des dunklen Lords und die, die ursprünglich Herbert Simon begleitete, hielten einander fest um ein letztes mal zu wrestlen. Die durch den dunklen Saft gestärkte rot leuchtende Hand zog nun kräftig an der blauleuchtenden Hand, sodass beide Hände nun immer schneller werdend um das Sichtfeld von Doctor S. wirbelten und es unmöglich erschien, die Pin-Versuche mit bloßem Augen zu erkennen. Dabei zeigte sich der rotleuchtende Daumen härter und schneller als geahnt während die unsichtbaren Hände weiter umherwirbelten, riss der rotleuchtende Daumen den blauschimmernden Daumen ohne Vorankündigung nach unten, sodass der dunkle Lord langsam anfing zu zählen: „1…2….“ Doctor S. schloss die Augen und folgte intuitiv dem Weg des Saftes zur Klausurrelevanz.
Der Chairman hatte zuletzt noch weitere Formeln und statistische Berechnungen in das Transkript eingefügt, dann das PDF generiert und in die Moodleumgebung als Upload ausgewählt. Genau in dem Moment, als er den Upload-Button betätigte, unterbrach Darth Psych seinen Count und Doctor S. sah zugleich den Upload des Transkriptes anhand des Saftes und entzog den unterlegenen bläulich schimmernden Daumen aus dem Pin, und ergriff in Lichtgeschwindigkeit den roten Daumen von Darth Psych um diesen gleichermaßen zu pinnen. Und er zählte: „1…2…3!“ Die beiden unsichtbaren rotleuchtenden Hände von Darth Psych waren beseigt und der Gegner fiel schmerzerfüllt auf seine Knie und schrie: „Neeeeiiiiiinnnnn – wie konnten die Wiwis mich besiegen!“ Doctor S. näherte sich seinem besiegten Gegner Darth Psych zu, der zu ihm aufsah und um Gnade winselte. Doctor S. dachte kurz über das Gnadenbesuch nach und sprach schließlich: „Im Namen des hohen Rats der Wiwi verurteile ich Sie, Darth Psych, zur Bearbeitung des Moduls Algorithmische Mathematik! Sind sind verpflichtet dieses Modul zu bearbeiten, an allen Einsendearbeiten, Mentoriaten und Klausurterminen teilzunehmen, bis sie bestanden haben!“ Darth Psych schloss vor Erschöfpung die Augen und sackte auf dem Boden der Mensa zusammen.
Doctor S. schaute sich anschließend nach PD HJS um, der gerade das Transkript ausgedruckt hatte und ihm überreichte. Doctor S. blätterte das Transkript mit den zusätzlichen 20 Seiten an, die nicht im Video und auf einem der Foliensätze besprochen wurden, zufrieden durch verkündete: „Das ist die harte Währung! Mit diesem Transkript stabilisieren wir die Preise in der Mensa! Die Wiwis und die anderen Fakultäten werden das Sicherheitsäquivalent künftig mit Seiten aus diesen Transkript entrichten und genießen daher, ein vergleichbares Preisniveau wie die Psych-Mitarbeitenden. Somit kommt der Umbau der Fernuniversät zu einem Outlet-Center zum Erliegen und es sollen weiterhin wissenschaftliche Kriegerinnen zur Verteidigung gegen die dunkle Seite des Saftes ausgebildet werden!“
PD HJS schaute seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter weiterhin ernst an: „Du weißt was man über dunkle Ökonomikus Lords sagt!?“ Doctor S. nickte und bestätigte: „Es gibt immer einen Schüler und einen Lehrer. Es gibt also mindestens eine weitere! Aber haben wir jetzt den Schüler oder haben wir den Lehrmeister besiegt!?“
Diese Frage sollte in der Mensa noch eine ganze Weile offen bleiben und Doctor S. resümierte über die Geschehnisse des Tages und erklärte dem Chairman zusammenfassend: „Damit möchte ich zum Fazit kommen. Ausgehend von den Ausgangsüberlegungen können wir festhalten, dass wir alle in Alltagssituationen vor Auswahlproblemen stehen. Zum Beispiel in Konsum, aber in allen möglichen Lebenslagen, die mit unterschiedlichen Kragen von Komplexität verbunden sind. Und auch Konsequenzen. Also ich glaube, beim Autokauf würden Sie mehr in die Suche investieren als beim Joghurtkauf und so weiter und so weiter. Und ja, wir haben kennengelernt, dass die Komplexität dieser Suchprobleme in der Mehrdimensionalität der Güter liegt. Ich muss nicht nur eine Dimension vergleichen, sondern mehrere. Ich muss mir noch Gedanken darüber machen, wie viel Gewicht ich den einzelnen Dimensionen gebe. Wir haben es mit Unsicherheit zu tun. Ich weiß nicht genau, wie gut mir der Joghurt schmeckt. Vielleicht muss ich es erst rausfinden. Und es gibt Suchkosten. Was uns das Leben leichter macht, das sind diese mentalen Abkürzungen, Daumenregeln oder wie es fachsprachlich heißt, Heuristiken. Die, anders als die formalen Modelle der Standardökonomie, im Scheidungsprozess wahrscheinlich eine größere Rolle spielen von uns allen. Grund ist begrenzte Rationalität. Wir sind keine Informationsverarbeitungsmaschinen, die komplexe Zusammenhänge kostengünstig verarbeitet. Wir suchen uns Routinen, die die mentalen Anstrengungen verringern.“
Ich erwachte daraufhin erneut im House of Orchideen. Das Vorlesungsvideo war zu Ende und der Abspann des Star Wars Trailers lief herunter. Ich fand außerdem an meinem Platz ein ausgedrucktes Transkript zu diesem Video, welches ich dankenswerterweise zu meinen Unterlagen nahm. Ich sah mich weiter um und staunte nicht schlecht, denn das House of Orchideen war entrümpelt und aufgeräumt und schien bald bereit für die erste Veranstaltung zu sein. An einer Art Tresen standen einige ausgetrunkenen Dosen mit Mango Maracuja Saft. Offenbar hatte schon jemand den Veranstaltungsort ohne mich eingeweiht. Andererseits waren die Getränke wirklich verdient, das House of Orchideen sah großartig aus! Ich rief: „Hallo, seid ihr noch hier!?“ doch mein Ruf wurde nicht beantwortet. Schließlich gab sich aus einer verdunkelte Ecke eine schwebende, kaum sichtbare Hand, zu erkennen: „Die unsichtbare Hand von Adam Smith“ rief ich überrascht. Anscheinend hatte sie die Umbauarbeiten für mich unternommen, sodass das House of Orchideen womöglich doch noch in diesem Semester zur Verfügung stehen würde.
Die unsichtbare Hand führte mich nun aus dem House of Orchideen hinaus zum Garten, an dem noch ein einzelner Lambo neben meinem Fahrzeug parkte und es saßen zwei Blumates darinnen, die gut hörbar eine Playlist der Musikerin DJ PDW abspielten. Ich näherte mich dem Wegen mit den beiden Blumates an und erkundigte mich, ob sie es waren, die das House of Orchideen aufgeräumt hätten. Die beiden lachten laut und der jenige, auf dem Beifahrersitz erklärte mir, dass sie hier rausgefahren wären und als sie das laute Lehrvideo hörten, kamen sie herein und hatten nachgesehen, was hier passiert wäre. Die Aufräumarbeiten hatte eine unsichtbare Hand ausgeführt. Sie hatten dann lediglich zu dem Lehrvideo ein paar Dosen Mango-Maracuja-Saft getrunken und gefeiert und dann spontan entschieden, sich in diesen Studiengang einzuschrieben.
Die Blumate, die zu mir sprach, kam mir mir bekannt vor und ich fragte ihn, ob er zufällig mit einem dunklen Ökonomikus Lord namens Darth Psych verwandt wäre und er sah zunächst vergüngt zu seinem Fahrer herüber, dann lachten beide laut und er gab mir ein High-Five. Dann stellte er sich vor: „Ich bin PersPsych!“. Ich wunderte mich, über diesen merkwürdigen Namen, aber ich freute mich über die Bekanntschaft. Der Blick von PersPsych war etwas neugierig auf den Stapel Papiere gerichtet, den ich mit mir führte und ich zeigte ihm kurz das Transkript. Während ich dieses durchblätterte und verkündete, dass ich nun die zweite Vorlesung abgeschlossen hätte und für diese Woche nachhause fahren könnte, vielen mir schließlich die zusätzlichen Seiten auf, die nicht Gegenstand des Videos waren und ich erkärte: „Sie haben das Skript erweitert, wir sind doch noch nicht mit dieser Vorlesung fertig!“ Und PersPsych schlug sich beide Hände über den Topf und rief mir zu: „Ja null!?“
Nach dem der Schock darüber etwas gewichen war, sprache mich dann auch die andere Blumate, der Fahrer an, um sich vorzustellen: „Und ich bin Herbert und neu an der FernUniversität! Sag mal, gibt es in diesem House of Orchideen zufällig auch Jogurt?“ Und wir lachten alle drei gleichzeitig auf und redeten in dieser Nacht noch eine ganze Weile über die Wirtschaftspsychologie.
Auf dem Bildschirm im House of Orchideen lief währenddessen weiter der Abspann herunter….
WiPsych Wars - Episode II
based on: Modul 32201 Einführung in die Wirtschaftspsychologie
sowie: Star Wars, Disney, PopEye, FernUni Hagen (Fakultät Wiwi und Psych) und allen, die ich vergessen habe.
Alle Handlungen und Charakter sind weitestgehend frei erfunden. Wenn möglich, bitte ich von Klagen und Exmatrikulation abzusehen, es handelt sich um eine Unterstützungsleistung von mir an Studierende ohne Erwerbsabsicht und finanziert durch eine ganze Menge unreinen Altriusmus.
Die Bilder wurden mit AI generiert und sind zufällig entstanden. Bevor jemand fragt – nein die Texte habe ich nicht mit AI generiert, höchstens ein paar einzelne Namen oder Ausrufe, und die Artikelbeschreibungen, die ich mir nicht auch noch aus den Fingern saugen konnte!
Falls ich jemanden beleidigt habe oder Stereotypen und Klischees entfacht habe – ja sorry, ich bin glaube ich gar nicht so, war keine Absicht. Ich kenne übrigens die Musik von Justin Bieber gar nicht, ich brauchte nur passendes Beispiel.
Eigentlich hätte ich die Zeit besser zur Weiterbearbeitung des Kurses nutzen sollen, aber – gut – es musste einfach raus!
Ach, eins noch: Ich bin im übrigens immernoch der Meinung, dass ich 2023 völlig zu Unrecht keinen Betreuungsplatz für eine Masterarbeit an der Fakultät Wiwi erhalten habe 😉
Ende….oder etwa nicht?…..
Jean-Pierre Courbe und Lucia Al Dente erwarteten die Ankunft ihres Auftraggebers Lord Ökonomikus an der Plattform vor der Mensa. Der Gleiter landete recht unspektakulär und es öffnete sich eine Tür, aus welcher der dunkle Lord herausscrhitt. Jean-Pierre reichte Lucia die Unterlage, die sich daraufhin vor dem dunklen Lord verbeugte und das Dokument übergab. Der dunkle Lord nahm das Dokument an sich, sichtete es kurz und verstaute es in seine Gucci-Tasche und bemerkte: „Die harte Währung Transkript! Alles lief wie geplant!“ Jean-Pierre und Lucia tauschten entsetzt Blicke aus: „Mais… die Wiwis… und unser Outlet-Center… mon dieu, was ist jetzt damit !?“ Lord Ökonomikus streckte seine Hand aus, um den beiden sagen zu wollen, sie mögen sich beruhigen: „Wir sind mit den Wiwis noch nicht fertig, noch lange nicht. Sie haben Darth Psych besiegt und das Ansehen der dunklen Ökonomikus nachhaltig beschädigt. Das werden wir ihnen heimzahlen. Um die Wiwis kümmern sich jetzt der vollendete, härteste und düsterste Kern, den die dunkle Seite des Saftes je hervorgebracht hat und vor dem schon unzählige Sternensysteme das Knie gebeugt haben……um die Wiwis kümmern sich nun….. DIE VIER MÄDCHEN!“ Aus dem Gleiter entstiegen nun vier Ladies, die gleichermaßen mit schwarzen Kapuzenmänteln verhüllt waren und auf den Campus schreiteten. Jean-Pierre und Lucia verstanden zunächst nicht und der dunkle Lord sprach zu den vier Mädchen: „Zeigt ihnen, was ihr könnt!“ Und die Mädchen begannen gleichzeitig acapella melodisch einige Silben zu trällern: „La La La La La La La La La“ Und während des Gesangs bebte der Campus der Feruniversität leicht und die beiden Vorsitzenden des Mensa-Ausschuss grinsten sich erwartungsfroh an und wussten, dass das Ende der Wiwi nah war….
Ganz zum Schluss drehte sich noch Lucia Al Dente herum und riet: „Ragazzi – schaut subito in unseren Merchshop, eh? Bevor die besten Sachen via, weg sind!“
Ende. 08.08.2025, A-Flow!






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